Der Schia-Islam 16. „Gewaltfreie Hermeneutik“ (1. Aufl.)

Der Schia-Islam 16. „Gewaltfreie Hermeneutik“ (1. Aufl.)

Printed Book
Autor
Prof. Dr. Hamid Kasiri
Herausgeber
ILogos, Wien & Qum.
Sprache
Deutsch
Beschreibungen
Bd. 16: Seitenanzahl 281 / 1. Auflage / ISBN 978-3-99149-151-4 / E-ISBN 978-3-99149-152-1 (E-Book) / Erscheinungstermin 11.12.2025 / Höhe: 21 / Breite: 14.5 / Tiefe: 2.3 cm / Gewicht: 400 gr. / Dateigröße 347 kByte / €35.
€35,00

Band 16: Die heiligen Texte der Offenbarungsreligionen Islam, Christentum und Judentum werden allzu oft zur Legitimation von Gewalt und spezifischen, allumfassenden Deutungshoheiten verwendet. Abgesehen von einer stets möglichen politischen Instrumentalisierung heiliger Texte, stellt sich angesichts dieser Praxis die Frage nach einer Hermeneutik, die einer solchen Gewaltlegitimierung Widerstand leistet, besser gesagt nach einer „gewaltfreien Hermeneutik“, die dieser Praxis entgegenwirken und als eine um Frieden bemühte Strömung hermeneutische und kulturübergreifende Diskurse zukünftig positiv beeinflussen kann.

Ein gewaltfördernder hermeneutischer Umgang mit den verschiedenen heiligen Schriften hat auf aggressive Weise nicht nur den jüdischen und christlichen Schriften und Traditionen den Krieg erklärt, sondern auch den islamischen, die sich im Koran sowie den Weisungen des Propheten Muhammad (s) finden lassen. Insbesondere angesichts fortschreitender Ökonomisierungstendenzen mit globalem Anspruch, ist es längst notwendig, die tieferen Beweggründe dieser Strömungen zu verstehen und in friedvolle Korrespondenzen umzuwandeln.

Diese Studie will dazu beitragen, Grundzüge einer „gewaltfreien Hermeneutik“ zu entwickeln und für die pädagogisch-hermeneutische Praxis fruchtbar zu machen. Die für das Projekt erforderliche Darstellung des aktuellen Standes texthermeneutischer, dialogischer sowie friedenstiftender Forschung und Diskurse will Studierenden der Theologie und Philosophie als Vertiefung und den Anhängern der Offenbarungsreligionen zur Horizonterweiterung dienen.

Diese Methode verdient Anerkennung, weil sie wenigstens skizzenhaft eine Theologie der Auslegung des Gewaltfreien aus schiitischer Sicht vorbereitet, die in der Vergangenheit vernachlässigt worden ist. Sie lässt in zeitgemäßer Form und mit modernen wissenschaftlichen Methoden den gewaltfreien Umgang mit dem Schia-Islam zu.

Um die gewaltlegitimierenden Zugänge zu

verhindern, die die Legitimierung von Gewalt in den Interpretationsmethoden zulassen und sie zu Gunsten der Gewaltanwendung

instrumentalisieren, ist es notwendig, eine

Hermeneutik hervorzubringen, die die

gewaltfreie Friedensbotschaft als Norm der

religiös-ethischen und religiös-pädagogischen Grundlage darstellt und

sie als Basis für interkulturelle und interreligiöse

Zusammenarbeit vorstellt!

Das Markenzeichen der „gewaltfreien Hermeneutik“, die durch unsere Methodik den Leserinnen und Lesern gewidmet wird, scheint die Erfahrung des Verstehens zu sein, das sowohl im Lesen, Verstehen, Interpretieren und Anwenden der religiösen Texte verankert ist, als auch mit dem Streben der Gewaltüberwindung verbunden ist, die auf der einen Seite dem Text seine Rechte gibt („Textrechte“), auf der anderen Seite Menschen auf ihre Pflichten dem Text, der Welt und sich selbst gegenüber aufmerksam macht.

Wir sagen auch dazu:

  • Wenn jemand den Koran zu Gunsten der Gewalt missinterpretiert,
  • dann ist das Gewalt.
  • Wenn jemand die Religion als Kriegswaffe instrumentalisiert,
  • dann ist das Gewalt.
  • Wenn jemand im Namen Gottes (sogar im Namen des Barmherzigen und Gnädigen Gottes) andere umbringt,
  • dann ist das Gewalt.
  • Wenn jemand in der Gesellschaft Unheil stiftet,
  • dann ist das Gewalt.
  • Wenn jemand gegen Dialog ist,
  • dann ist das Gewalt.
  • Wenn jemand gegen den gerechten Frieden (bzw. gegen gerechte Verteidigung! ist),
  • dann ist das Gewalt.

Dies ist sicher keine philosophische Definition, sondern eher eine literarische Art, um den Kern der Gewalt, die taub, stumm und blind ist, zu veranschaulichen.