Der Schia-Islam 8. Gerechtigkeit (2. Aufl.)
Band 8 will ein profiliertes Wissen zu vermitteln, um einen Gerechtigkeitsdiskurs darzustellen und seine religiösen Gesichtspunkte, philosophischen Hintergründe zu erklären und alle - und insbesondere die Schiiten - auf ihre soziale Verantwortung aufmerksam zu machen. Das ist eine große Verantwortung, die allen hilft, mit dem neu beleuchteten Wissen über den schiitischen Gerechtigkeitsdiskurs dazu beitragen zu können, dass der Leser sowohl in seinem Privatleben als auch in der Gesellschaft gerecht lebt und Anderen gerecht behandelt.
In den Gerechtigkeitsdiskursen wird unterschiedlich und verschieden zur Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit Stellung genommen. Die Offenbarungsreligionen entwarfen aus sich heraus diesbezüglich auch bestimmte Diskurse. Kein waches Herz wird sich daher dem entziehen wollen, wenn die Offenbarungsreligionen in ihrer Berufung von Gerechtigkeit reden. Allerdings geht es in unserer Anschauung zunächst überhaupt nicht um die berechtigte Empörung über die Ungerechtigkeit der Welt. Für uns Schiiten ist Gerechtigkeit viel viel mehr. Sie ist die Art und Weise, wie Gott sich uns zuwendet. Gottes Wesen ist Gerechtigkeit, und Sein Plan für private und gesellschaftliche, für soziale und staatliche Angelegenheiten ist Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit ist ein Hauptthema des Hl. Koran und der Sunna des Propheten Muhammad und seiner Ahl-ul-Bait. Der Hl. Koran sagt: „Gott gebietet, Gerechtigkeit walten zu lassen!“ Der Prophet Muhammad (s) sagt auch über die Bedeutung der Gerechtigkeit: „Eine Stunde Gerechtigkeit ist besser als siebzig Jahre Anbetung, an denen seine Nächte anbeten und seine Tage fasten.“ Dieses fassettenreiche Prinzip umfasst alles, was wir als Mensch haben: „Gerechtigkeit ist die Stärkung des Volkes“, sagte Imam Ali (s). Der Imam sagte auch: „Die Gerechtigkeit ist das Maß aller Dinge.“ Und der erhabene Prophet Muhammad (s) und Imam Ali (s) sagten, dass:
„Die Himmel und die Erde auf Gerechtigkeit basieren sind.“
Gerechtigkeit, also „Idalah“, erklärt sich aus dem Wort „Adl“, das sowohl als Begriff als auch als Prinzip Verwendung findet. Als Begriff hat Gerechtigkeit zwei Hauptdefinitionen, nämlich:
- einen jeden das zu geben, was sein Recht ist
oder/und
- ihn an den Platz zu stellen, den er verdient.
Wenn wir Gerechtigkeit mit einem breiten Blick betrachten, werden wir sehen, dass in allen islamischen Programmen die Frage der Gerechtigkeit und des Gleichgewichts und die Vermeidung von Extremen in irgendeiner Weise angesprochen wurde, wie zum Beispiel:
- Gerechtigkeit in Gottesdienst und Anbetung.
- Gerechtigkeit in Arbeit und Spaß.
- Gerechtigkeit in Liebe und Zorn.
- Gerechtigkeit für Freund und Feind.
- Fairness in Produktion und Konsum.
- Gerechtigkeit in Ermutigung und Harz.
- Fairness bei der Aufteilung des Eigentums und in Bezug auf den Willen des persönlichen Eigentums.
- Gerechtigkeit für Ehepaare, Kinder, Freunde und Kollegen.
- Gerechtigkeit im Urteil, auch im Blick auf die Streitparteien vor Gericht.
- Gerechtigkeit in Krieg und Frieden.
- Gerechtigkeit bei der Behandlung von Tieren.
- Gerechtigkeit im Umgang mit natürlichen Res-sourcen.




























